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Pfingstpredigt zur Osterkerze 2015

Gnade sei mit euch und Friede, von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Pfingsten, liebe Gemeinde, Fest im Frühling und mit dem Frühling, Fest eines zusätzlichen Feiertages, Fest der Pfingstferien und der Pfingsturlaubszeit. Pfingsten, Fest des Heiligen Geistes und der Kraft Gottes, die in der Welt wirkt. Pfingsten, Fest der Kirche, der Geburt der Kirche, ihr Geburtstag. Geist und Kirche gehören zusammen wie zwei Seiten einer Medaille: Geist und Kirche, Kirche und Geist!

Beide treffen sich in der wunderbaren Symbolik unserer schönen Osterkerze, wie Sie das ausgeteilte Foto zeigt. Ein mit goldenen Streifen verziertes Schiff, mit einem farbenprächtigen Segel und vor allem mit einem alles dominierenden Mast, der immer weiter nach oben hinausgreift, wo er sich schließlich als ein Kreuz zu erkennen gibt.  Der Kreuzpunkt des Kreuzes bildet insgeheim die eigentliche Mitte des ganzen Geschehens. Helle gelb-goldene Strahlen gehen von der Sonne aus und lassen das Kreuz und das Schiff in einem Licht erstrahlen wie aus einer anderen Welt. Dazu die griechischen Anfangs- und Endbuchstaben alpha und omega, welche auf Gottes Allmacht hinweisen: Jesus Christus, der an diesem Kreuz hingerichtet worden ist, wurde  – so verkünden es die Sonnenstrahlen – von den Toten auferweckt, so dass die frühen Christen ihn als den ersten und der letzten bezeugen, als alpha und omega, der die Macht über den Tod besitzt. Dieses  Kreuz, ein furchtbares Folterinstrument, wandelt sich im Lichte der Auferstehung Jesu zu einem Symbol des Lebens und als solches wird es der Mast des Segelschiffes, durch den das Schiff überhaupt erst auf Fahrt aufnehmen kann.

Gut bekannt ist uns die alttestamentliche Erzählung von der Sintflut und der Arche Noah. Noah erhielt von Gott den Auftrag eine Arche zu bauen, weil die in Sünde  lebende Menschheit durch eine Wasserflut untergehen würde. Durch die Arche, so die Erzählung, wurden nicht nur er und seine Familienangehörigen gerettet, sondern auch viele Tiere. Wenn wir heute den Begriff „Arche“ hören, entsteht in uns das Bild eines großen Schiffes, das in jener Sintflut für Menschen und Tiere zu einer sprichwörtlich rettenden Arche geworden ist. An dieses Bild der Arche, dieses urtümlichen schiffsartigen Kastens knüpft die Vorstellung von der Kirche, dargestellt im Bild eines Schiffes an. Wie in der Erzählung Menschen und Tiere durch Noahs Arche gerettet wurden, so wird auch die Kirche zu einem Schiff, das Menschen rettet, indem es auf dem Ozean des Lebens und dem Ozean dieser Welt unterwegs ist. Unterstützt wird das Symbol des Schiffes für die Kirche zusätzlich durch das Wirken Jesu, der nicht nur in Dörfern, Städten und Bergen gepredigt und Wunder vollbracht hat, sondern ebenso predigend und wunderwirkend von den Booten seiner Jünger aus die Herzen der Menschen erreichte.


Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt,
fährt durch das Meer der Zeit.
Das Ziel, das ihm die Richtung weist,
heißt Gottes Ewigkeit.
Das Schiff, es fährt von Sturm bedroht
durch Angst, Not und Gefahr,
Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg,
so fährt es Jahr um Jahr.
Und immer wieder fragt man sich:
Wird denn das Schiff bestehn?
Erreicht es wohl das große Ziel?
Wird es nicht untergehn?

Heute, liebe Gemeinde, feiern wir Pfingsten, den Geburtstag der Kirche, die auf dem Meer der Zeit – bereits seit sehr langer Zeit – ihre Fahrt Richtung Ewigkeit fortsetzt.  Wir können für viele Segnungen danken, die Gott unserer Welt durch die Kirche geschenkt hat, wir können zugleich aber auch kritisch fragen, wie es denn mit der Kirche steht, in welcher Verfassung sie sich befindet und ob sie das große Ziel der Ewigkeit Gott,  wie es der Autor des Liedes so treffend formuliert,  erreichen wird: Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit. Und immer wieder fragt man sich: Wird denn das Schiff bestehn? Erreicht es wohl das große Ziel? Wird es nicht untergehn?

Wenn wir denn fragen, durch welche Kraft die Kirche eigentlich vorankommt, welcher Motor sie antreibt – gewiss weder ein Dieselmotor noch ein Atomreaktor - dann finden wir in der Symbolik unserer Osterkerze durchaus eine wichtige Antwort. Obwohl das kunstvoll gestaltete Kirchenschiff unserer Osterkerze mit einem dunkelbraunen Farbton versehen ist, der es als ganz und gar geerdet zeigt, ganz und gar von dieser Welt, ganz und gar im hier und heute, im Unvollkommenen beheimatet, wird genau dieses Schiff der Kirche doch von einer unsichtbaren Kraft angetrieben, die nicht von dieser Welt ist! Nein: Gewiss kein technischer Motor,  sondern wenn schon, dann von Wind und Sturm!

Es ist der Geist Gottes, der in die Segel der Kirche bläst, der  in der Bibel ruach und pneuma genannt wird: Feuer, Wasser, Wind und  Atem,– auf jeden Fall Luft, die sich bewegt und das, was sie erfasst in Bewegung bringt. Als Gottes Geist an jenem Pfingstfest in Jerusalem in die Segel bläst, gerät etwas in Bewegung und die erste christliche Gemeinde entsteht: Das Schiff der Kirche legt ab und beginnt seine lange, spannende, herausfordernde und schwierige Reise.

Immer wieder ist es auf dieser Reise der Geist Gottes, der das Schiff auf dem Meer der Zeit vorantreibt, der aus einem Schiff, so könnte man weiterspinnend sagen, viele Schiffe und Schifflein werden lässt, die nicht immer in dieselbe Richtung fahren, wie ja auch der Wind nicht immer in die gleiche Richtung weht und nicht immer mit gleicher Stärke. Eine ganze christliche Schiffsflotte fährt da unter der Fahne ihres Herrn dem Ziel der Ewigkeit entgegen.

Gottes Geist verleiht Menschen das Leben, legt die Bereitschaft zur Versöhnung in ihre Herzen und treibt sie mit der Hoffnung auf die Erneuerung aller Dinge voran. Wir werden ermutigt zum Gebet und zum Einsatz für Gottes gute Welt.

Am Donnerstag, dem 14. Mai konnten viele  unter dem schönen blauen und freien Himmel  bei der Kastanie am Gemeindehaus den Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt feiern. In diesem Gottesdienst feierten wir auch die Taufe des kleinen viereinhalbjährigen Oskar Riekenbrauk. Die Gottesdienstteilnehmer konnten nach dem Gottesdienst kleine Wünsche für Oskar und auch für unsere Welt allgemein als Gebete auf Zettel notieren und sie an zwei Tafeln heften.  Diese Gebetswünsche zeigen, wie Gedanken und Gefühle durch den Atem des Geistes in Bewegung gesetzt werden, wie ein Segelschiff durch den Wind.  Einige dieser Gebetswünsche trage ich Ihnen kurz vor. Zunächst für den kleinen Oskar:

„Ich wünsche dir, lieber Oskar, dass Du wie ein Baum Wurzeln schlägst, die dir Halt für das Leben geben.“ Und ein anderer Gebetswunsch für Oskar: „Gott hat dich nicht nur lieb, er bleibt auch bei dir, wenns mal eng wird. Egal, was du auch angestellt hast, du kannst immer zu ihm kommen. Also lass dich mal wieder in der Kirche blicken und bring deine Familie mit!“

Viele Gebetswünsche erbitten Frieden für unsere Welt. Etwa dieser:
„Mein größter Wunsch endlich Frieden für alle Völker, damit alle in ihrer Heimat bleiben können und besonders für die Kinder eine gute Zukunft.“ Jemand anderes hat eine Taube und eine Blume gemalt und dazu geschrieben: „Bitte gib uns Frieden!“

Dann sind es noch eine ganze Reihe allgemeiner Gebetswünsche, die ich nicht verlese, aber doch noch einige ganz spezielle:

„Herr hilf, dass Religionen verbinden und nicht trennen.“ Und ein anderer: „Ich wünsche weiterhin diese schönen Predigten, denen dann auch Taten folgen: z.B. Flüchtlingsprojekte.“ Und noch ein anderer: „Guter Gott, erbarme dich der religiösen Fanatiker und hilf ihnen zurück auf den guten Weg der Toleranz.“

Wir hören und erkennen die Richtung, in die der Atem des Geistes das Schiff der Kirche treibt: Es ist die Richtung des Lebens, des Vertrauens, der Vergebung, der Liebe, der Gerechtigkeit, der Wahrheit.

Das Schiff der Kirche ist klein und fährt auf stürmischer See, der Geist, der in seine Segel bläst, ist stark und kann das Schiff auf Kurs halten, so dass es schon jetzt viele Menschen aufnehmen und sie bereits hier und heute ein Stück Himmel spüren lassen kann. Denn der Geist aus der Höhe verbindet Menschen, baut Brücken zwischen Gleichgültigen und Feinden und  senkt die Hoffnung auf eine bessere Welt für immer in unsere Herzen. Ein Beter notierte auf seinem Gebetszettel den Satz: „Ich wünsche, dass unsere Erde viel besser werde!“ Ich finde, das ist ein sehr schöner Wunsch,  gut zu merken und noch besser dafür Hand an zu legen,  sich dafür einsetzen, dass möglichst viel davon Wirklichkeit wird: mit Herz, Verstand, mit Hand und Fuß:  „Ich wünsche, dass unsere Erde viel besser werde!“

Die Symbolik unserer Osterkerze soll uns ermutigen und soll uns ermahnen. Sie ermutigt, indem sie daran erinnert, dass  die Kraft für das Vorankommen des Schiffes nicht aus dem Schiff selber stammt, sondern ihren Ursprung in jenem Geist hat, der in seine Segel bläst. Sie ermahnt, indem sie an unsere Verantwortung erinnert, da die Mannschaft die Segel dem Geisteswind anpassen muss, um mit dem Wind des Geistes zu segeln und nicht gegen ihn. Sie hilft uns auf jeden Fall zum Gebet und zur Bitte, dass der Pfingstgeist Gottes die Herzen der Menschen und diese  Welt erneuert, im kleinen und im großen. Deshalb beten wir auch heute mit jenen alten Worten, die diese Erneuerung erbitten:

Komm, o Geist der Heiligkeit!
Aus des Himmels Herrlichkeit
Sende deines Lichtes Strahl!

Vater aller Armen du,
Aller Herzen Licht und Ruh’,
Komm mit deiner Gaben Zahl!

Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
Komm, du süßer Seelenfreund!

In Ermüdung schenke Ruh’,
In der Glut hauch Kühlung zu,
Tröste den, der trostlos weint.

O du Licht der Seligkeit,
Mach dir unser Herz bereit,
Dring in unsre Seelen ein!

Ohne Dein lebendig Wehn
Nichts im Menschen kann bestehn,
Nichts ohn’ Fehl und Makel sein.

Wasche, was beflecket ist,
Heile, was verwundet ist,
Tränke, was da dürre steht.

Beuge, was verhärtet ist,
Wärme, was erkaltet ist,
Lenke, was da irregeht.

Heil'ger Geist, wir bitten dich,
Gib uns allen gnädiglich
Deiner Gaben Siebenzahl.

Spende uns der Tugend Lohn,
Lass uns stehn an deinem Thron,
Uns erfreun im Himmelssaal.
Amen.



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